Lesung mit Christian Thieme

Lesung mit Dr. Christian Thieme im Mai, 22. Mai 2022, 15:00 Uhr, im Gasthaus Bachmaier, Pesenlern

Wer ist Christian Thieme?

Dr. Christian Thieme, geborener Niederpöckinger, studierter Mathematiker und Informatiker samt epidemiologischer Promotion, war lange als Geschäftsführer einer Körperschaft im Gesundheitswesen tätig. Thieme kann aber auch den Abschluss in alten Sprachen und ein Studium der Philosophie vorweisen. Besonders aus letzteren Quellen schöpft der Humanist Jahrgang 1952 für seine beiden Bücher und für seine Lesungen - wie die, welche er bei uns in Wartenberg halten wird.

Thiemes Zettel (Bücher):

Opas Zettelkasten – Band I
Wenn ein Ehemann, Papa und Opa anfängt, immer weitere Zettel vollzukritzeln und ständig hinter die Klappe seines Laptop abzutauchen, statt wie gewohnt am familiären Diskurs teilzunehmen, bleiben die Nachfragen nicht aus. Was schreibst du denn da die ganze Zeit? – Och…. mal sehen … Nein, so billig kom-me ich nicht davon. Also, ich schreibe über Erfahrungen, die ich in meinem Le-ben gesammelt habe, und verdichte sie zu lesbaren Texten – Also deine Autobi-ografie? – Nein, um Himmels willen. Wen würde die denn interessieren! – Aphorismen? – Nein, Texte – Ja, was denn dann für welche?
Thema meines Buches sind die Beziehungen zwischen Menschen, insbesondere die Beziehungen innerhalb der Familie. Der jetzt erschienene Band I widmet sich den Herausforderungen der ersten Lebenshälfte. Selber (noch) wachsen, andere (schon) wachsen lassen und beides miteinander zu verzahnen: Geht so etwas eigentlich? Die Antwort ist einfach: Es muss gehen, weil es dazu keine Alterna-tive gibt. Wollten wir mit allem abwarten, bis wir selbst „fertig“ sind, dann gäbe es bald keine Familien und keine Kinder mehr. So einfach ist das, und doch so schwer.

Opas Zettelkasten – Band II
Wenn du schon nicht allen gefallen kannst, so gefall wenigstens dir selbst, singt ein amerikanischer Country-Song. Fand ich damals spontan gut. Jetzt stehe ich vor dem Spiegel und sinniere. Zuletzt habe ich mich in der Pubertät so kritisch angeschaut. Später ging es eigentlich ganz gut - aber jetzt passiert es mir wieder. Der Unterschied ist nur, dass ich damals auf Besserung hoffen durfte. Aufbau war angesagt. Und heute? Wahrscheinlich wird es mir in Zukunft immer schwerer fallen, vor dem Spiegel Gefallen an mir zu finden. Dabei ist das essenziell, ich MUSS mir gefallen! Opa zu sein ist schließlich eine gute, vergnügliche Sache, jedenfalls so etwa ab 10 Uhr, wenn alle Tabletten drin sind und der Tag langsam in Gang kommt. Warum diese Ironie, lieber Autor? - Weil ich ehrlich zu mir sein und nicht die Misstöne rhetorisch weglächeln will. Alles toll ist nicht und wird nicht plötzlich wieder sein. Aber mal ehrlich, wer hat das denn? War in der Pubertät alles toll, oder im ersten Job, oder ... - es war nie alles toll. Aber es kann immer gut gewesen sein, wenn ich es nur erkennen wollte, dass es gut war. Und jetzt ist es wieder so, dass es auf meine eigene Wahrnehmung ankommt.